Okt. 8, 2011

Jahreszeitenwechsel

"Schon wieder.", dachte er sich bei der Suche nach seinem Abbild in der sonst so voller Spiegelung strotzenden Fläche. Was dort vor ihm stand und jegliche Bewegung nachäffte war er, dessen war sich Julius bewusst. Kein Zweifel. Er in Kontur. Eine Kontur, die solch ein lächerliches Bild formte, dass selbst der beste Bildhauer daraus keinen gescheiten Ausdruck mehr hätte kreieren können. Und dennoch ist dieses Bild passend. Passend zu der, wie er es nennt, “Phase”, in der er sich gerade befindet. Als ob sein Leben ein Projekt wäre. Rational und wohldefiniert. Überhaupt charakterisieren ihn seine Artgenossen als Kopfmenschen. Als jemanden der sich vorher Gedanken macht. Der keine Risiken eingeht. Sie irren.

Heiß zu duschen hatte er sich erst vor wenigen Wochen angewöhnt. Wenn hier überhaupt von einer Angewohnheit gesprochen werden kann. Vielmehr: Notwendigkeit. Es war eine lauwarme Sommernacht und ein leises Klicken störte den Fluss schwarzer Tinte. Unterbrach das Schreiben. Es war schon alles vorbereitet. Wohldefiniert. Tasse, Beutel. Pfefferminze. Immer nur Pfefferminze. Ein Löffel Zucker. Dem Geräusch lauschend, welches er schon in der Kindheit liebte, wenn die Oma am Nachmittag Kaffee, Tee und Kuchen bereitete. Das Geräusch, wenn die Wärme des Wassers auf das Natürliche stößt und dem Aroma Leben einhaucht. Ja, es erst entfalten lässt.

Der frische Mentholgeschmack des ersten Schluckes glitt gerade durch sein Inneres als die Sonne am Horizont im Begriff war, die Tag-Nacht-Grenze zu überschreiten und zudem wohliges Klima versprach. Der Minutenzeiger tangierte die Fünfundvierzig. Es war drei Uhr und fünfundvierzig Minuten oder “dreiviertel Vier”. Er musste grinsen. Ihm wurde warm.

Von der Hoffnung getrieben, dass sie es irgendwann lesen möchte, begab er sich wieder in den Raum, in dem sein Schreibtisch stand. Der Raum, den er so verabscheute. Der ihm Leid in Form mehrerer Unterkühlungen bereitete, war nun der Ort, um die Geschichte zu vollenden. Die Geschichte, die zu seinem Leben geworden ist, die er jetzt benötigt, um sein altes Leben wiederzubekommen, das er nicht wiederhaben möchte. Paradox? Ja, es ist paradox.

Ihm wurde eine neue Welt gezeigt. Eine auf der er sich bewegen durfte und deren Meere immer Spiegel waren. Der Transformationsprozess begann und verwandelte diesen Ort im Hier und Jetzt in eine Wüste aus gefrorenem Wasser. In der jeder Schritt, jede Bewegung zu einem Sturz und Schmerz führen kann. Wo zuvor Verständnis und Geborgenheit inhaliert werden konnten, ist nun Ignoranz und Kälte zu finden. Zwei Attribute die benötigt werden, um das Geschehene vergessen zu machen, das Schöne zu vernichten und das Negative zu behalten.

Er zittert. Die Kälte taucht den Raum in ein Licht, wie man es nur im Winter beobachten kann. Irritiert von dem matten Farbton, den die vielen Wassermoleküle hinterlassen, tastet sich Julius mit zusammengekniffenen Augen zum altertümlichen Griff des Badezimmerfensters. Drückt den Hebel so rasch hinunter wie es gerade mit nassen Händen möglich ist. Steckt den Kopf durch das Fenster und ringt nach Luft und Fassung. Seine Augen, zwei mit Regenwasser gefüllte Tulpenkelche. Das Glück umringt sein Inneres.

Der Frühling ist nah.

Aug. 21, 2011

Das Messgerät

Die Uhr. Ein Instrument, ein Hilfsmittel, ein von Menschen geschaffenes Hilfsmittel, um sich zu beschränken, sich einen Rahmen geben zu können. Ein Paradoxon.

​Nüchtern betrachtet visualisiert das Messinstrument lediglich einen Fluss - den Fluss der Zeit. Die “Airtime” des Lebens. Oder: Die kontinuierliche Konfrontation mit der Vergänglichkeit der eigenen Existenz.

​Doch sind es gerade unsere eigenen Meilensteine, die diesen Fluß unterbrechen. Als wollen wir sagen: “Ja, das Leben rennt an mir vorbei. Ich weiß es doch!”

​Wir brauchen diese Unterbrechungen um uns immer wieder vor Augen zu führen etwas pünktlich fertig bekommen zu haben. Etwas zu leisten. Die Zeit nicht zu “verschwenden”.

​Lasst uns mal kurz auf “Pause” drücken. Wir müssen einiges überdenken. Bringt die Zeiger zum Stehen! Ich habe einen Vorschlag zu machen: Die Vereinigung. Die Visualisierung des Anfangs. Die Umarmung der Zeiger. Die erste Stunde. Lasst uns genau diesen Moment festhalten. Denn ab hier kann Zukunft beginnen.

Juni 17, 2011

Digitale Medien? – Mein Erklärungsversuch

Viele Soziologen sprechen davon, dass sich unsere heutige Gesellschaft in einem Wandel befindet. Einem Wandel weg von der Industriegesellschaft zur Informations- und Wissensgesellschaft.

Abstrahiert man von dem Begriff „Wissen“, so erhält man den Begriff „Information“, welcher in der Informations- und Wissensgesellschaft die Grundlage für das soziale bzw. ökonomische Zusammenleben der Menschen darstellt. Damit diese Informationen dem Menschen zugänglich gemacht werden können, bedarf es Transportmittel, die die Information kapseln und somit für die Übertragung vorbereiten. Bekannte Medien – weil den menschlichen Sinnen entsprechend – sind auditivervisueller und textueller Natur.

Medien, die beispielsweise im Laufe des 20. Jahrhundert für den Transport der Informationen zur Verfügung standen und als Produkt der industriellen Revolution gesehen werden können, lassen sich wie folgt differenzieren:

  • Audio: Radio
  • Text: Print (z. B. Zeitung, Magazine, etc.)
  • Video: Kino (später: Fernsehen)

Menschen waren in dieser Zeit auf die Produzenten der Information angewiesen und konnten nicht über das Medium partizipieren. Es handelte sich um eine gerichtete Kommunikation (Simplex).

Im Laufe der Digitalisierung, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde schnell deutlich, dass die neue Art der Informationsverarbeitung durch elektronische Rechenmaschinen auch die Möglichkeit eröffnet hat, die klassischen Medien digitalisieren, speichern, weiterverarbeiten und distributieren zu können.

Insbesondere die Distribution hat in den letzten Jahrzehnten durch die Existenz einer globalen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur – dem Internet und dem Web als Anwendungsplattform – dazu geführt, dass digitale Medien den Menschen erreichen.

Mit anderen Worten: Die Art, wie Menschen Informationen erhalten und konsumieren können, hat sich geändert. Plötzlich hat der Anwender die Möglichkeit, die verschiedenen Informationskanäle auf einer Maschine zu bündeln und beliebig zu kombinieren. Letzteres wurde gerade durch die Etablierung und Verbreitung von Standards auf den Systemen der Anwender begünstigt (Codecs, Webstandards, etc.), welche dafür sorgen, dass kodierte Daten entschlüsselt und widergegeben werden können. Analog zu der Differenzierung der klassischen Medien am Anfang des 20. Jahrhunderts, möchte ich an dieser Stelle die digitalen Medien mit ihren jeweiligen Anwendungsszenarien im 21. Jahrhundert beschreiben:

  • Audio: Web-Radio, Skype
  • Text: Websites (Online-Magazine, etc.)
  • Video: Video-Communitys (YouTube, etc.)

Das Web ermöglicht in seiner jetzigen Evolutionsstufe (Web2.0) – und das ist der Unterschied zu den analogen Medien – die menschliche Partizipation in hohem Maße. Waren Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts noch auf die Produzenten der Informationen angewiesen, sind Sie nun Informationsersteller und -verbreiter in Personalunion.

Die Zugänglichkeit zu digitalen Medien ist somit ein Faktor dafür, dass sich in naher Zukunft dieser Gesellschaftswandel vollzogen haben wird.

Aug. 2, 2009

HashTag als medienübergreifender Rückkanal

David Maciejewski schreibt in einem interessanten Artikel über die Möglichkeit das Feedback der Leser im Printbereich durch das sogenannte Hashtag zu sammeln, um so einen Rückkanal bzw. eine Brücke aus der Print- in die Online-Welt zu schlagen. Redaktionen könnten so beispielsweise Nachrichten des Dienstes Twitter nach genau diesem Hashtag durchsuchen und so auf die Meinungen der Leser eingehen. 

Auf den ersten Blick erkennt man eine Ergänzung zu den klassischen Feedback-Kanälen, wie zum Beispiel den Leserbrief oder dem Anruf in der Redaktion. Diese bisherigen Möglichkeiten entsprechen allerdings nicht dem demokratischen Paradigma des Internets und unterliegen somit der Zensur der Redaktion, welche die Wahlfreiheit hat auf das Abdrucken unliebsamer bzw. eventuell auch reputationsschädigender Reaktionen zu verzichten. Dieses Verhalten ist aus Redaktionssicht verständlich, birgt meiner Meinung nach jedoch die Gefahr bei den Lesern das Gefühl von Unverbesserlichkeit zu erzeugen oder sie zu zwingen sich eine weitere Folge der Soap “Das Leben im Elfenbeinturm” anzusehen. Man muss uns Menschen immer wieder das Gefühl geben gebraucht zu werden oder Teil eines Ganzen bzw. der Gemeinschaft zu sein (gehört werden). Im Falle der Redaktion würde sich die Ignoranz eventuell im ökonomischen Sinne widerspiegeln. Der verärgerte Verfasser des Leserbriefs kündigt sein Abonnement und erzählt seinem sozialen Umfeld von dieser “Frechheit”. Schneeballeffekt.

Aus diesem Grund, sehe ich in der Schaffung dieses Rückkanals positive Effekte, die auf beide Seiten ausstrahlen würden. Die Zeitschrift hat die Möglichkeit die Kritik in ihre Arbeit aufzunehmen und der Kritiker das Gefühl an der Verbesserung teilnehmen zu dürfen.

Die Werkzeuge für das Analysieren von Meinungen im Web haben wir. Die Suchfunktionen der jeweiligen Services machen es möglich den “user generated content” zu den verschiedenen Veranstaltungen, Zeitschriften, Blog-Artikeln, etc. zu verfolgen.

Das Problem ist derzeit noch die Vielfalt von Begriffen, die wir in die Suchfelder eingeben können. Wenn ich mir beispielsweise das Feedback über den ZEIT-Artikel: Wider die Ideologen des Internets! anschauen möchte. Was ist zu tun? In diesem Fall bietet die Website dem Leser eine Kommentar-Funktion unterhalb des Artikels. Was aber müsste ich in die Twitter-Suche eingeben, wenn es sich nicht um eine Online-Publikation handeln würde? Vielleicht: #diezeit #ideologen und #internet? Selbst wenn ich hier das Feedback der Leser sehen kann, spiegelt das mit Sicherheit nicht die Meinung aller Nutzer wider, die über diesen Artikel etwas geschrieben haben. Es fehlt ganz klar ein Hashtag, das durch den Verfasser definiert wurde. Der Leser könnte diese Definition des Hashtags auch als Begrüßung nach dem Motto: “Natürlich darfst du was sagen.” ansehen.

Hashtag im Sport

Diese Möglichkeit würde ich mir in diversen Bereichen wünschen. Zum Beispiel bei Veranstaltungen. Jedes weitere Barcamp ist ein Paradebeispiel dafür, dass dieses Konzept funktioniert. Ein klar definiertes Hashtag und es ist möglich die Meinungen zu verfolgen. Warum sollte dies nicht auch beispielsweise bei einem Fußballspiel funktionieren?

Das Konzept ist auf diverse Medienbereiche transferierbar. So beispielsweise auch auf das TV. Ich möchte meine Meinung zu der gerade laufenden “Anne Will”-Diskussionsrunde loswerden. Womit soll ich meinen Tweet “verschlagworten”? Diese Frage wird mir von der Redaktion der Sendung abgenommen. Sie hat bereits ein Hashtag definiert, welches neben dem Senderlogo angezeigt wird.

Hashtag im TV

Wenn die jeweiligen Institutionen bereit sind, diese Kanäle zu öffnen, haben wir eventuell die Möglichkeit Einfluss zu nehmen und können wirklich sagen was wir hören und sehen möchten. Dann entscheidet die Mehrheit und nicht wie beim TV eine nicht repräsentative Einschaltquote. Aber vielleicht sollen wir in diesem Sinne ja auch keinen Einfluss nehmen können?!

Über
Das GedankenJournal ist das private Blog von mir, André König. Eigentlich beschäftige ich mich den lieben langen Tag mit Themen rund um die Webentwicklung - also Interfacedesign, Software-Entwicklung, Accessibility, Usability, Typografie, etc. Hier möchte ich aber vielmehr Fragestellungen und meine eigenen Interpretationen zu diversen Themen mit euch teilen. Alles natürlich höchst subjektiv. Vielleicht gefällt es ja der Einen oder dem Anderen. Ich würde mich freuen. :) RSS-Feed abonnieren.